EIN INTERVIEW MIT EINER PFERDEVERHALTENSTHERAPEUTIN

Wo fängt für dich ein "Problempferd" an? Hast du schon mal aufgegeben? Diese und noch weitere Fragen haben wir Julia Neßler gestellt - die ab dem 31.5. deutschlandweit für euch unterwegs ist und zwischen euch und euren Pferden als eine Art Mentor agiert.

WAS IST FÜR DICH EIN PROBLEMPFERD?

In meinen Augen gibt es keine Problempferde. Jedes Pferd ist auf seine Weise perfekt. Was Menschen als Problem sehen, ist in meinen Augen eine sehr laute Art der Kommunikation. Pferde kommunizieren nonverbal, das bedeutet in Mimik, Gestik und eben in Aktion und Reaktion. Pferde werden in der Menschenwelt Situationen ausgesetzt, die häufig gegen die Natur des Pferdes sind. Pferde äußern ihre Bedenken zur Situation sehr schnell, jedoch übersieht oder missachtet der Mensch diese Äußerung. Dies wiederholt sich, bis das Pferd sehr laut kommuniziert und somit eine Situation eskaliert. Dieses Verhalten wird dann als Problem diagnostiziert.

WAS HEBT DICH VON ANDEREN TRAINERN AB?

Ich kann nicht behaupten dass ich mich abhebe- habe ich das Rad doch nicht neu erfunden. Wir haben im europäischen Raum und auch weltweit, viele talentierte Pferdemenschen und ich freue mich ein Teil dieser Welt zu sein. Ich persönlich sehe mich als Moderator zwischen Pferd und Mensch und lasse meine persönliche Art einfließen. Ich selbst bin hochsensibel, was in der Pferdearbeit meistens ein großer Vorteil ist. Ich denke, die Kombination aus wissenschaftlichen Arbeiten und meiner Art zu Fühlen und individuell mit jedem Lebewesen zu arbeiten, macht mich aus.

WAS MÖCHTEST DU DEN PFERDEN GEBEN? HAST DU DAS GEFÜHL, DASS DU IHNEN ETWAS SCHULDIG BIST?

Pferde und Menschen verbindet eine lange gemeinsame Geschichte. Bereits etwa 3000 v.Chr. machte sich der Mensch das Pferd als Arbeitstier zunutze. In der vorindustriellen Zeit war das Pferd aus Landwirtschaft und Militär nicht wegzudenken. Und obwohl wir das Pferd seit so langer zeit regelrecht ausnutzen, dient es uns auch heute noch bereitwillig als Sport und Freizeitpartner. Ich finde es ist an der Zeit dem Pferd etwas zurückzugeben. Ihm, gerade jetzt wo sich das Denken der Menschen verändert, das Leben bei und mit uns, so angenehm wie möglich gestalten sollten. Das bedeutet für mich nicht sich mit Schabracken und Leckerlies das Gewissen frei zu kaufen, sondern die Haltungsweise so artgerecht wie nur möglich zu gestalten und auch ihm ein guter und fairer Partner zu sein. Ich möchte den Menschen zeigen wie sie die Besitzer sein können den ihre Pferde sich wünschen. Ein Leitpfaden in meiner Arbeit ist, dass das Pferd in meiner Anwesenheit an Ausstrahlung und Ausdruck gewinnen soll!

WIE SCHAFFST DU ES, EIN PFERD ZU ÜBERZEUGEN?

Wenn ein Pferd, oder auch oftmals der Besitzer, ein Trauma hat, ist es Vorraussetzung das Vetrauen zu gewinnen und dieses nicht zu brechen. Vorhersehbarkeit, Konsequenz, Achtsamkeit und Respekt sind dafür einige Schlüsselwörter. Da ich liebe was ich mache und in jeder noch so schwierigen Situation etwas Lobenswertes finde, kann ich das Vertrauen und vor allem auch das Selbstbewusstsein des Pferdes aufbauen und so schrittweise ein Trauma abbauen. Dabei hat das Pferd immer Meinungsfreiheit und Mitspracherecht. Durch diese liebevolle und klare 2-Wege-Kommunikation ebne ich das gesamte weitere Training in dem das Pferd körperlich und geistig losgelassen bleibt.

HAST DU SCHON EINMAL AUFGEGEBEN?

Mein erster Lehrmeister Monty Roberts hat immer gesagt "Es ist gut einen Plan zu haben, aber schlecht sich darin zu verlieben." Wir können im Pferdetraining nicht dogmatisch werden und mit Scheuklappen arbeiten. Es ist wichtig eine Situation immer auch mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und sich nicht festzufahren. Wenn ich im Training, so wie im Privatleben, feststelle, dass es sich in eine falsche Richtung entwickelt, ändere ich etwas. Ich habe mich in den letzten Jahren durch viele hochkarätige Pferdeleute inspirieren lassen und so eine große Palette an Möglichkeiten und Lösungen für mich zusammengestellt, welches es mir leicht macht, immer wieder eine geeignete Lösung oder vielmehr einen passenden Weg für das jeweilige Pferd-Mensch-Paar zu finden. (Aufgeben liegt zudem nicht in meiner Natur, ich bin ein Löwe :))

WO SIEHST DU DEN GRÖßTEN WIDERSPRUCH IN DER PFERDEWELT?

Widersprüche gibt es leider sehr viele im Umgang mit Pferden. Der größte ist in meinen Augen die Hirarchie zwischen Pferd und Mensch. Der Mensch verlangt Höchstleistung vom Pferd, immer und überall sofortiges Funktionieren, fast roboterartiges abspulen von Kommandos. Und dafür erhält das Pferd...tja was genau? Isolation? Rationiertes Futter? Eine schöne Frisur? Ein teures Boxenschild? Ich denke da sollte sich jeder Pferdebesitzer selbst fragen, was er seinem Pferd zurück gibt. Ob sein Pferd sich bei einer Wahl gegen oder für ihn entscheiden würde. Über die Hälfte der Rennpferde auf der Welt, werden aufgrund von mangelnder Leistung getötet. Ich denke das sagt vieles über diese Beziehung aus. Wir versuchen nach Außen die Illusion zu wahren, dass wir eine Partnerschaft mit dem Pferd haben. Doch viel zu selten erlebe ich einen wahren Dialog, ein freundiges Miteinander. Dabei ist es so einfach ein Pferd zu motivieren und ihm innere Schönheit und Lebensfreude zu schenken. Das beginnt für mich bereits bei der Wahl der Pferderasse und dessen individuelle Eignung, bis hin zur täglichen Achtsamkeit. Ich würde mir wünschen, dass wir weg von der Egoplattform - hin zu wahren Partnerschaft kommen.

WAS IST DEIN LANGFRISTIGES ZIEL? WAS WÜNSCHT DU DIR?

Mein langfristiges Ziel ist es glücklich zu sein. Ich bin glücklich wenn meine Pferde glücklich sind. Darüber hinaus möchte ich, so lange ich lebe mit Pferden und Menschen arbeiten können, denn auch das macht mich glücklich und gibt mir sehr viel Energie.

 

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